Ausgangslage

Die Jahre seit 2020 haben unsere Gesellschaft mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert. Jederzeit mögliche Infizierungen und Quarantänen sowie wirtschaftliche Probleme und führten und führen zu einem erhöhten Stresslevel in weiten Teilen der Bevölkerung. Medial dauerpräsente Kriege und Naturkatastrophen beubruhigen selbst die Jüngsten.

Besonders in urbanen Quartieren mit hoher Bevölkerungsdichte werden die schon bestehenden Probleme noch größer. Das Bundesinsitut für Bevölkerungsforschung stellt eine deutliche Zunahme von Depressionen unter jungen Menschen fest; waren vor Corona 10 Prozent hiervon betroffen, so ist es heute ein Viertel aller Jugendlichen. Soziale Benachteiligung und Migrationshintergrund erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer depressiven Erkrankung demnach erheblich. https://www.bib.bund.de/DE/Aktuelles/2021/2021-07-28-Pressekonferenz-Schulschliessungen-fuer-Kinder-und-Jugendliche-belastend 

Eine Studie der Technischen Universität München belegt, dass Quarantänen, Kurzarbeit und Jobverlust die Zahl häuslicher Gewalttaten signifikant erhöhen. https://www.sites.hfp.tum.de/globalhealth/forschung/covid-19-and-domestic-violence/

Der Wegfall persönlicher Kontakte ließ die Rolle der sozialen Medien im Alltag junger Menschen anwachsen, was auch die Wahrscheinlichkeit, selbst zum Opfer von Online-Kriminalität wie z.B. Cybermobbing, Datenklau und pädophiler Belästigungen zu werden, erhöht hat. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse ist der Anteil der von Cybermobbing betroffenen Schüler:innen von 12,7 Prozent in 2017 auf 17,3 Prozent in 2020 angewachsen, was bundesweit einer Gesamtzahl von rund zwei Millionen betroffenen Kinder und Jugendlichen im ersten Jahr der Pandemie entspricht. https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/cybermobbing-corona-praevention-2107030?tkcm=ab

Laut den Sicherheitsbehörden der Länder wurden im Jahr 2023 insgesamt 27.470 Gewaltdelikte an deutschen Schulen registriert – ein Anstieg um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl dieser Taten überdurchschnittlich stark von 2.972 im Vorjahr auf nun 4.808. (vgl. https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/gewalttaten-an-schulen-bundesweit-stark-gestiegen-47677880) Dem jüngsten Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung zufolge beobachtete fast jede zweite Lehrkraft psychische und/oder physische Gewalt unter Schüler:innen in problematischem Ausmaß. (vgl. https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer/lehrkraefte) Ähnliches berichte die Deutsche Gesetzliche Krankenversicherung:  https://pressemitteilungen.sueddeutsche.de/deutsche-gesetzliche-unfallversicherung-dguv-5875650

Diese Entwicklungen machen vor den Bonner Klassenzimmern nicht halt, in denen Kinder mit unterschiedlicher Persönlichkeit, Herkunft und familiärer Prägung zusammenkommen, um gemeinsam zu lernen. Das soziale Lernen und das Zusammenwachsen als Gruppe kamen in den vergangenen Jahren häufig zu kurz; zwischenmenschliche Konflikte können leicht eskalieren, worunter Schüler*innen und Lehrkräfte gleichermaßen zu leiden haben.

Der Förderung von Widerstandskraft und Gemeinsinn junger Menschen kommt heute eine hohe gesamtgesellschaftliche Bedeutung zu.